Überarbeitete Niederschrift und Kommentare © Eric M. Jones
Redaktion und Edition Ken Glover
Übersetzung © Thomas Schwagmeier u. a.
Alle Rechte vorbehalten
Bildnachweise im Bilderverzeichnis
Filmnachweise im Filmverzeichnis
MP3‑Audiodateien: Roland Speth
Audiodatei (, MP3-Format, 1,7 MB) Beginnt bei (aufgezeichnet während der Pressekonferenz zwischen und ).
Duke: Okay, Tony. Kommen wir jetzt zu unserer Besprechung (SUR 3-5). Wir haben nicht … Ich möchte beschreiben, was aus dem Fenster zu sehen ist. Wir haben das so oft trainiert und mich interessiert, wie gut ich ich es kann.
Jones: Gehörten solche Beschreibungen zur Ausbildung bei den Feldexkursionen auf Hawaii oder wo auch immer?
Duke: Ja. Eine Exkursion begann in der Landefähre. Wir beschrieben alles im Bereich zwischen 12 Uhr und 3 Uhr: die Größe der Gesteinsbrocken, das Gelände, ob Grundgestein zu erkennen ist, die Form der Hügel und Berge und so weiter.
Jones: Wenn Sie sagen:
Eine Exkursion begann in der Landefähre
…
Duke: Natürlich gab es dort keine Landefähre. Wir sollten einfach … Es hieß:
Okay, Jungs. Hier seid ihr gelandet.
Und wir … Ich weiß nicht mehr genau, ob wir auf die Ladefläche eines Lasters kletterten oder etwas Ähnliches, um höher zu stehen. Von dort oben aus beschrieben wir dann, was meinetwegen Richtung Westen zu sehen war. Ein gutes Training.
John Pfannerstill hat Ausschnitte von AS16-P-4623 (Aufnahme der Panoramakamera im SIM
SIMScientific Instrument Module) erstellt:
England: Sicher. Nur zu. Wir möchten alles hören, was du zu sagen hast. Vor ein paar Minuten sprachen wir mit John, weshalb uns die Fragen vorläufig ausgegangen sind. Obwohl ich selbst gar keine stellen musste, er hat sie von sich aus einfach beantwortet. Also, leg los.
Duke: Okay. In Richtung 12:00 Uhr sehe ich am Horizont ein Gebiet mit vielen abgerundeten Hügeln … Sagen wir, hügeliges Gelände in Richtung 12:00 Uhr, das bei etwa 11:00 Uhr aus dem Blickfeld verschwindet. Die wellige Landschaft ist geprägt von hellen Kratern, welche ihrerseits mit kleinen Kratern übersät sind. Und ich würde sagen, das Gebiet liegt etwa 50 bis 100 Meter höher als unsere Landestelle.
Im Bereich von 1:00 Uhr bis 3:00 Uhr nähern wir uns … In Richtung 1:00 Uhr schätze ich, dass wir ungefähr einen Kilometer weit sehen können. Aber vielleicht täusche ich mich bei der Entfernung. Das Gelände dort ist ebenfalls hügelig und hat die gleiche Albedo, hellgrau mit jungen, hellen Kratern.
Weiter zu 3:00 Uhr, 2:30 Uhr bis 3:00 Uhr. Die Anhöhe in der Nähe, die auf unseren Karten aussah, als ob dadurch der Blick zu North Ray und Stone Mountain blockiert wird, gibt – ah, falsch, ich meine Smoky (Mountain) – gibt es dort wirklich. Sie ist etwa 10 bis 15 Meter hoch mit einer Hangneigung von 3 bis 4 Grad.
Nun der Nahbereich. Bei 12:00 Uhr – (Räuspern) Entschuldigung – befindet sich 50 bis 100 Meter vor dem LM
LMLunar Module diese andere niedrige Erhebung, die wir bereits erwähnt haben. Dahinter ist eine Senke zu erkennen und dann kommt die nächste Anhöhe, die vermutlich zu … könnte zum Randwall von Krater Spook gehören. Ich glaube, dass ich in Richtung 12:00 Uhr Spook am Horizont sehen kann. Auf der Erhebung vor uns liegt einiges an Gestein. Die Brocken sind kantig und der größte ist vielleicht 2 bis 3 Meter breit (Räuspern). Es gibt drei solche Brocken, einen bei 12:00 Uhr und zwei in Richtung 1:30 Uhr weiter hinten auf der zweiten Anhöhe. Diese Brocken und kleinere, bis 1 Meter Breite, bedecken ungefähr 1 Prozent der Oberfläche. Das Gelände in dieser Richtung scheint gut befahrbar zu sein, zumindest was die Felsbrocken betrifft. Doch es wird sicher ein Auf und Ab.
Ich bin im Bereich zwischen 50 und 100 Metern Entfernung bei 2:30 Uhr. Den hellen jungen Krater, der von vielen kleinen, eher geröllartigen Brocken umgeben ist, habe ich vorhin schon beschrieben. Dahinter liegen zwei Krater, die irgendwie in die von Nord nach Süd verlaufende Senke übergehen. Noch weiter hinten liegt ein teilweise vergrabener Felsbrocken mit einer deutlichen Anschüttung an der Südseite. Nord- und Ostseite weisen keine Anschüttungen auf.
Schließlich der Nahbereich bei 3:00 Uhr. Ich sehe einen ziemlich großen Krater, 30 bis 50 Meter Durchmesser, bei 2:00 Uhr auf der Innenseite – meiner Seite – der Anhöhe. Und die Oberfläche dort ist zu etwa 10 Prozent mit Gesteinsbrocken bedeckt, die weniger als einen halben Meter groß sind. Ende.
Duke: Rückblickend muss ich sagen, dass wir bei den Entfernungen wohl meistens falsch lagen. Da oben ist es schwer, Entfernungen und Größen richtig einzuschätzen. Alles, was man sieht, ist unbekannt. Man kann höchstens versuchen, Anhaltspunkte für Vergleiche zu finden. Ein weit entferntes großes Objekt sieht fast genauso aus wie ein kleines Objekt in der Nähe. Zum Beispiel haben wir uns bei dem großen Felsen (House Rock) am Rand von Krater North Ray ordentlich geirrt. Wir liefen und liefen und standen dann vor einem gigantischen Brocken! Unbeschreiblich. Das zeigte mir, wie sehr man sich in unbekannter Umgebung täuschen kann.
Aufgrund seiner Größe ist House Rock sogar auf den Streckenführungskarten zu sehen. Die Koordinaten lauten: CZ,2/80,5.
Auch auf AS16-P-4623, aufgenommen mit der Panoramakamera (im SIM
SIMScientific Instrument Module), sieht man den Felsen.
Duke: Deshalb ist meine Beschreibung hier aus heutiger Sicht vermutlich nur halbrichtig, was Entfernungen und Größen angeht. Ein 30‑Meter‑Krater ist wirklich sehr groß. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, da draußen einen so großen Krater gesehen zu haben.
Jones: Alle Astronauten hatten Schwierigkeiten beim Schätzen von Entfernungen und Größen. Selbst wenn ein paar wenige vielleicht halbwegs richtig lagen.
Wir betrachteten Charlies Aufnahmen aus dem Fenster, AS16-113-18304 bis AS16-113-18310.
Duke: Also das wäre 3:00 Uhr. Wahrscheinlich habe ich einen dieser Krater beschrieben.
Jones: Auf 18307.
Duke: Dieser Krater hier (über den Düsen). Die kleinen schwarzen Punkte sind Gesteinsbrocken. Das könnte der
helle junge Krater
sein, der von vielen kleinen Brocken umgeben ist ().
Jones: Ein besonders steiniger Krater, links neben der oberen Düse.
Duke: Wie man sieht, sind die Aufnahmen in Richtung 12:00 Uhr (AS16-113-18308 bis AS16-113-18309) nicht ganz gelungen, weil das die Nullphasenrichtung war.
Duke: Ich sprach von einem Brocken mit Anschüttung. Aber ich sehe keinen …
Jones: Auf diesen kleinen Abzügen ist so etwas schwer zu erkennen.
Duke: Der Brocken ist teilweise vergraben. Auf 2:30 Uhr müsste er direkt vor den Düsen liegen.
England: Sehr gut, Charlie. Wo liegt noch mal dieser Brocken mit Anschüttung?
Duke: Ein- bis zweihundert Meter in Richtung 2:30 Uhr auf dieser Seite der Anhöhe, die sich von Ost nach West erstreckt und die Sicht zu Smoky (Mountain) blockiert.
England: Okay. Könnte der Brocken nach unten gerutscht sein und dabei das Material an der Südseite zusammengeschoben haben?
Duke: Ist möglich. Ich wollte gerade sagen, dass es nach Süden bergab geht. Also kann das passiert sein.
England: Sehr gut.
Duke: Obwohl der Hang nicht so steil aussieht.
England: Okay. (Pause) Was ist mit Buster? Kannst du den Krater identifizieren?
Krater Buster hat einen Durchmesser von 100 Metern und liegt auf der Karte DESCARTES ○ EVA-I, III; 1 von 3 bei den Koordinaten CB,2/76,5. Auf AS16-P-4623 (Aufnahme der Panoramakamera im SIM
SIMScientific Instrument Module) ist der Krater ebenfalls zu sehen.
Duke: Also das ist wirklich … (hört Tony) Natürlich haben wir den Krater während des Landeanfluges gesehen. Jetzt ist er nicht zu erkennen. Ich sehe einen hellen Krater, vielleicht 50 Meter rechts neben dem, den ich für Spook halte. Das könnte Buster sein. Doch ich will es nicht beschwören.
England: Okay. Sind dort Felsbrocken zu sehen?
Duke: Von hier aus kein Einziger.
England: Okay. (Pause) Sehr gut, Charlie. Du bist wieder in Höchstform.
Duke: Als wir runterkamen … (hört Tony) Okay. Als wir runterkamen vor der Landung, sah es … Wie John schon sagte. Wir konnten deutlich ein strahlenförmiges Verteilungsmuster erkennen, das von South Ray ausgeht und über unsere Landestelle hinweg bis Palmetto reicht. Dahinter sind so gut wie keine Felsbrocken mehr vorhanden. Sie häufen sich erst wieder an der Flanke von North Ray. Wir sahen die nach Süden verlaufende Senke, die am Südrand von North Ray beginnt (CY,6/78 bis CS/78,5), und die Anhöhe, die eine hervorragende Auffahrt zum Rand von North Ray zu sein scheint. Schön, alles aus 5000 Fuß Höhe (1524 m), daher liege ich mit meiner Beurteilung vielleicht ein wenig daneben, aber grundsätzlich machte die Gegend einen guten Eindruck. Wir sahen Dogleg (CP,8/86,1), wir sahen CaT (CV,9/86,4). Alle Krater, bei denen wir anhalten wollen, waren klar auszumachen. Hoffentlich ist das auch so, wenn wir sie am Boden finden müssen.
Jones: Ich vermute, dass Dogleg (engl. für Knick oder scharfe Kurve) an einer Stelle liegt, wo sich die Richtung der Strecke ändert.
Duke: Das weiß ich nicht mehr. Wir müssen auf der Karte nachsehen. (Pause) Ja, Dogleg ist hier.
Jones: Ungefähr bei CQ/86, auf dem Rückweg der geplanten Route für EVA-3
EVAExtravehicular Activity.
Duke: Ja, aber dort sind wir nicht gewesen.
Jones: Krater End (CL,4/82,3)?
Duke: Wir nannten den Krater End, weil das unsere letzte Station sein sollte (Station 17 bei CL,8/82,3).
Jones: Kiva (CW,7/73,2). Der Krater hat anscheinend einen Dom im Zentrum …
Duke: Ja. Kiva ist ein Domkrater. Vom Rand aus konnte man den Boden nicht sehen. Ich weiß nicht mehr, wie wir auf diesen Namen gekommen sind. Wahrscheinlich bei einer unserer geologischen Exkursionen.
Eine Kiva ist ein runder, in die Erde gegrabener, mit Steinen ausgelegter und überdachter Raum für zeremonielle Versammlungen bei den Pueblo-Kulturen im Südwesten Nordamerikas. Gut erhaltene Räume dieser Art, zum Beispiel im Mesa‑Verde Nationalpark oder Chaco Culture National Historical Park, sind 2 bis 4 Meter tief und haben Durchmesser zwischen 5 und 10 Metern.
Jones: Plum (CA,7/73,4) und Flag (CB,2/72,9)?
Duke: Ich glaube, Flag wurde nach Flagstaff benannt (der Stadt in Arizona, Sitz des Zentrums für Astrogeologie am USGS
USGSUnited States Geological Survey). Halfway (CA,9/75,2) bekam den Namen, weil der Krater irgendwo auf halber Strecke lag. Bei WC (BX,9/79,9), Phantom (BX,3/83,0) und allen anderen weiß ich es wirklich nicht mehr. (nach kurzem Überlegen) Könnte sein, dass wir Krater Phantom so nannten, weil wir nicht sicher waren, ob es tatsächlich ein Krater ist.
äußerte Brian Lawrence die Vermutung, dass Krater WC vielleicht nach W. C. Fields benannt wurde, einem Schauspieler und Komiker, dessen Stimme Charlie gern imitierte. Eine andere Möglichkeit wäre die gefällige Abkürzung WC für Wasserklosett. Als Antwort auf eine Frage schrieb Tony England: Ich erinnere mich gut an WC. Der Krater lag am Ende einer Erkundungsfahrt, weshalb wir einen Halt dort sehr wahrscheinlich wegspülen würden. Entschuldigen Sie bitte unseren etwas derben Humor an der Stelle.
Allerdings war laut Karte DESCARTES ○ EVA-II 1 von 2 bei Krater WC kein Halt geplant. Was jedoch nicht ausschließt, dass es entsprechende Überlegungen gab, als man den Krater benannte.
Jones: Eden Valley?
Duke: Ich weiß es nicht mehr.
England: Du hast die Felsbrocken und das von South Ray ausgehende strahlenförmige Verteilungsmuster erwähnt. Konntet ihr Ränder und Länge des Strahlenausläufers erkennen, oder ist das gesamte Gebiet davon bedeckt?
Tony fragt nach einem Strahlenausläufer, der sich von South Ray im Südwesten kommend in nordöstlicher Richtung über die Landestelle erstreckt. Gut zu sehen auf DESCARTES ○ EVA-I, III; 1 von 3 als heller streifiger Bereich von Krater Spook bis Turtle Mountain. Ebenso zu erkennen auf den Karten DESCARTES ○ EVA-I, II; 1 von 2 und DESCARTES ○ EVA-I, III; 2 von 2 sowie auf Abbildung 3.6.1-1 im Ablaufplan für die Arbeit auf der Mondoberfläche bei Apollo 16 (Apollo 16 Final Lunar Surface Procedures).
Man muss bei all dem immer bedenken, dass die Astronauten auf unterschiedliche Dinge achteten, während sie aus dem Fenster sahen. John hat vom ersten Blick auf das Landegebiet kurz vor dem Aufrichten (P-64
P-64Program 64 (Approach Phase)) bis zur Landung ununterbrochen aus dem Fenster gesehen. Doch ihm ging es darum, sich an Landmarken zu orientieren, mögliche Gefahren am Boden zu erkennen und vor allem seine Höhe oder horizontalen Flugbewegungen einschätzen zu können. Charlie hingegen konnte nur einige Male kurz aus dem Fenster sehen, um sich einen schnellen Eindruck vom Gelände entlang der geplanten Erkundungstouren zu verschaffen. Wobei er auch versuchte, interessante geologische Besonderheiten zu erfassen, wie zum Beispiel Strahlenausläufer, die man unter Umständen bei der endgültigen Planung der Strecken berücksichtigen sollte.
Duke: Es ist ein ziemlich breiter Streifen, der sich quer über das Landegebiet erstreckt. Ich würde sagen, von Spook bis zu uns. Und hinter uns vielleicht noch einmal 100 Meter.
England: Sehr gut. Wie weit von Links nach Rechts (Süden nach Norden)? Reicht der Streifen zurück bis South Ray?
Duke: Also das musst du John fragen. Den Bereich konnte ich nicht sehen. Als wir … Der größte Brocken, den ich beim Überfliegen gesehen habe, ist etwa so groß wie ein VW Käfer und liegt 100 bis 200 Meter hinter uns.
England: Sehr gut. (Pause)
Duke: John ist für einen Moment nicht erreichbar, aber gleich zurück. Und ich werde jetzt etwas essen. (lange Pause)
Duke: Übrigens, Tony, für die Haarpflege ist dieser Orangensaft völlig ungeeignet. Das Zeug verklebt einfach alles.
England: Gutes Stichwort.
Young:Am Abend davor (vor der Landung) im Kommandomodul (CM
CMCommand Module) füllten wir unsere Trinkbeutel mit Orangensaft und befestigten sie am nächsten Morgen vor dem Anziehen in den Anzügen. Jedes Mal, wenn wir den Kopf etwas nach vorn bewegten, blieb das Mikrofon am Ventil hängen, sodass Orangensaft austrat und bei Schwerelosigkeit herumschwebte oder einem ins Gesicht spritzte. Charlie ist vollkommen damit bedeckt gewesen. Das war außerordentlich unangenehm.
Duke:Mein Ventil funktionierte sehr schlecht.
Young:Meins ebenfalls, und ich habe wirklich aufgepasst. Der Saft verteilte sich in der ganzen Kabine. Als ich mich nach der Landung umsah, klebte das Zeug überall auf den Travano‑Verkleidungen. Lauter kleine Tropfen, weniger als 5 Prozent (Bedeckung der Oberflächen), doch insgesamt eine Menge Orangensaft auf den Verkleidungen. Sicher ist es alles andere als wünschenswert, dass herumschwebender Orangensaft in die Kabelstränge gelangt. Wir brauchen dringend einen Verschluss, der sich tatsächlich nur beim Trinken öffnet. Eine Kappe, die man mit den Zähnen abziehen kann, wäre vielleicht eine Lösung. Denn bei einer EVA
EVAExtravehicular Activity ist es notwendig, zwischendurch etwas zu trinken.
Duke:Ja, es hat mir draußen durchaus geholfen.
Young:Nachdem ich abends den Anzug ausgezogen hatte (), verzichtete ich am Morgen vor der ersten EVA
EVAExtravehicular Activity darauf, den Trinkbeutel wieder in den Anzug zu hängen. (Die Aussage bei vermittelt etwas anderes.) Also hatte ich während der gesamten Zeit nichts zu trinken. Das war schlecht, denn ich bekam nach der Hälfte großen Durst. Die Arbeit draußen strengt an und man schwitzt stark an den Händen, hinten am Hals und an den Füßen. Eben dort, wo kein Kühlwasser hinkommt. Daher brauchen wir einen Trinkbeutel, aus dem nichts ausläuft. Der Orangensaft verursachte ein weiteres Problem. Bevor wir aussteigen konnten am nächsten Morgen, musste Charlie sein Mikrofon sauber machen (). Eingedrungener Saft verstopfte die Öffnungen, sodass er nicht durchkam.
Duke:Auf VOX
VOXVoice Activated Transmission.
Young:Ein Mikrofon an seiner COMM‑Kappe funktionierte nicht, weil das Kabel beschädigt war, und beim anderen musste er erst den Orangensaft herauslutschen. Na ja, ging schnell. (Gelächter)
Duke:Sobald mein linkes Mikrofon das Trinkventil berührte, trat Saft aus und floss an der Verbindung entlang unter die Kappe. Die linke Seite meines Gesichts war komplett mit einer klebrigen Saftschicht bedeckt.
Young:Charlie sah aus, als hätte er mit Saft geduscht.
Duke:Furchtbar.
Young:Die ganze Seite war klebrig. Der Saft verklebte auch die Dichtungen der Helmverschlussringe. Zwischen der zweiten und dritten EVA
EVAExtravehicular Activity mussten wir die Dichtungen säubern. Denn fast hätten wir es nicht geschafft, die Verschlüsse zu öffnen und die Helme abzunehmen. Ich rechnete schon damit, dass wir die Nacht im Anzug verbringen.
Duke:Es betraf nicht den O‑Ring, sondern vielmehr die aneinanderliegenden Metallflächen.
Young:Richtig.
Duke:Das Zeug ist irgendwie eingesickert.
Young:Im Vakuum wurde dann das Wasser entzogen und der klebrige Rest blieb zurück. Als wir die Helme absetzen wollten, konnte Charlie meinen und ich seinen Verschluss nicht öffnen. Ich dachte wirklich, dass wir in den Anzügen bleiben müssen. (Gelächter) Die Verriegelung saß fest, sodass ich den Sicherungsknopf nicht rausbekam.
Duke:Der Knopf kam schließlich raus, ließ sich aber nicht nach oben oder unten schieben.
Mattingly:Wenn es euch beiden passiert ist, muss der Orangensaft die Ursache gewesen sein. Oder lag es an etwas anderem?
Duke:Es lag am Orangensaft.
Young:Auch aus meinem Ventil tröpfelte Saft. Allerdings weniger als bei Charlie.
Duke:Immerhin muss genug ausgelaufen sein, um alles zu verkleben, als du draußen warst.
Young:Am schlimmsten ist es während der Vorbereitung. Draußen weniger, weil man sich nicht so oft vorbeugen muss. Während der Vorbereitung schaut man häufig nach unten. Dabei bleibt das Mikrofon regelmäßig am Ventil hängen und zieht daran, sobald man den Kopf wieder hebt. Das Ventil öffnet sich und die Flüssigkeit spritzt einem ins Ohr, denn beim Vorbeugen drückt man mit der Brust gegen den noch vollen Beutel.
Duke:Vielleicht kann man ein ähnliches Ventil entwickeln wie das für Skylab.
Young:Entwickelt eins, das funktioniert. Ich halte es einfach für wichtig, dass man im Raumanzug ausreichend trinken kann. Charlie und mir hat es sehr geholfen. Doch es ist auf jeden Fall riskant, wenn Orangensaft im Cockpit herumfliegt (bei Schwerelosigkeit) und möglicherweise Kurzschlüsse verursacht. Das Zeug ist überall. Es läuft unter die COMM‑Kappe und über den Helmverschlussring. Oder, was noch schlimmer wäre, der Saft dringt in die Dichtung ein, sodass der Verschluss nicht mehr funktioniert.
Als uns das im Training passierte, musste der Ring komplett auseinandergenommen werden, um die Sperrstifte zu reinigen. Es war die einzige Möglichkeit, den Verschluss in Ordnung zu bringen. Im Mondorbit wäre das ein echtes Problem, denn ich zumindest weiß nicht, wie man den Ring auseinandernimmt.
Duke:Trotz allem bin ich froh, dass wir etwas zu trinken hatten.
Young:Ich auch. Nur frage ich mich, ob es Orangensaft sein muss. Sicher reicht Wasser. Tatsächlich dachte ich immer an Wasser, als ich während der ersten EVA
EVAExtravehicular Activity Durst bekam und nicht trinken konnte. Am Tag davor habe ich den Beutel (mit Orangensaft) ausgetrunken. Wenn unbedingt Kalium enthalten sein soll, könnte man vielleicht Wasser damit anreichern, eventuell mit einer Tablette. Der Unterschied ist mir nicht ganz klar.
Unbekannt:Man sollte doch in der Lage sein, ein Ventil zu entwickeln, das dicht bleibt.
Duke:Man hat es übertrieben.
Charlie bezieht sich hier möglicherweise auf Änderungen am Trinkventil, die vorgenommen wurden, nachdem Jim Irwin sein Ventil nicht öffnen konnte. Zu lesen im Missionsbericht zu Apollo 15 (Apollo 15 Mission Report), Abschnitt 14.5.5 Probleme beim Benutzen der Trinkvorrichtung im Anzug.
Young:Das Ventil macht genau das, was es soll. Dumm ist nur, dass man mit dem Mikrofon daran hängen bleibt und es dann versehentlich öffnet. Sobald das Ventil wieder frei ist, schließt es sich. Hätte man die Mikrofone weiter oben, etwa auf Höhe der Nase, kämen sie nicht in die Nähe des Ventils. Aber in dem Bereich ist alles fest und hart. Eine Änderung wäre daher sehr aufwendig.
Slayton:Ich denke nicht, dass der Aufwand gerechtfertigt ist.
Young:Eine kleine weiche Kappe, die mit den Zähnen abgezogen wird, könnte das Problem vermutlich lösen. Denn in Schwerelosigkeit darf einfach nichts auslaufen.
Duke:Es ist wirklich schlimm gewesen.
Young:Man kann buchstäblich ertrinken. Kurz vor PDI
PDIPowered Descent Initiation steckte Charlies Kopf in einem Helm voll Orangensaft.
Slayton:Hattet ihr geplant, nach der Landung die Helme aufgesetzt zu lassen und gleich für die EVA
EVAExtravehicular Activity auszusteigen?
Young:Nein. Wir wollten sie zwischendurch absetzen.
Slayton:Also könnte man das Ventil mit einer Kappe verschließen, die nach dem Absetzen der Helme entfernt wird.
Young:Die Kappe entfernen, unmittelbar bevor man für die EVA
EVAExtravehicular Activity den Helm aufsetzt. Ja. Mit der Hand.
Obwohl das Problem mit den Trinkventilen in der Nachbesprechung (Technical Crew Debriefing) so ausführlich behandelt wurde, finden sich im Missionsbericht zu Apollo 16 (Apollo 16 Mission Report) nur einige allgemeine Hinweise darauf und es werden keine Maßnahmen zur Fehlerbehebung erwähnt. Die Trinkbeutel der Astronauten von Apollo 17 enthielten klares Wasser. Da zu keinem Zeitpunkt während der Mission von auslaufendem Wasser die Rede war, nehme ich an, dass man die Ventile entsprechend Johns Empfehlung mit Kappen verschließen konnte.
England: Wir möchten Sauerstoffverteiler Anzugkreislauf zurück auf Kabine (ECS-Paneel). Ist ein Versuch. (Pause)
Duke: Okay. Versuchen wir Kabine. Wir haben das auch schon im Orbit getestet und dasselbe Geräusch gehört, Tony. Wir schieben den Ventilgriff rein auf Kabine. Jetzt. (Pause) Das Geräusch ist zu hören.
England: Okay, bitte wieder rausziehen auf Aussteigen.
Duke: Hey, Tony. Ich sage dir, woran es liegt. Eben habe ich das Ventil Kabinenluftrückführung geöffnet (ECS – Atemgasaufbereitung) und das Geräusch ist weg. Offenbar funktioniert dieses Rückschlagventil nicht richtig. Der Sauerstoff strömt nun schön gleichmäßig. (lange Pause) Unsere momentane Konfiguration ist Sauerstoffverteiler Anzugkreislauf auf Drücken-Kabine und Kabinenluftrückführung auf Offen, und alles hört sich normal an.
England: Okay. Lasst es so. (Pause)
Duke: Okay. Habt ihr einen Vorschlag, was wir essen sollen? (Pause)
England: Wir arbeiten daran. (lange Pause)
Im medizinischen Tagebuch gab es einen Speiseplan. Charlie möchte wissen, ob die Ärzte in Houston wegen der verspäteten Landung die Reihenfolge ändern wollen. Einzelheiten zu den Menüs im LM
LMLunar Module sind in der Pressemappe für Apollo 16 (Apollo 16 Press Kit) zu finden.
Jones: Können Sie beschreiben, wie die Mahlzeiten verpackt waren?
Duke: Ja. Sehen wir nach.
Jones: Wurden die einzelnen Packungen für eine bestimmte Mahlzeit zusammen verpackt?
Duke: Ja. Es gab Pakete für jede Mahlzeit an jedem Tag. Zum Beispiel Tag-1 Mahlzeit-A. Die Buchstaben A, B und C bedeuteten Frühstück, Mittag- und Abendessen. Auf dem Mond hatten wir allerdings nur zwei Mahlzeiten am Tag. Jede Mahlzeit war vakuumverpackt. Man schnitt die Folie auf und bekam drei oder vier einzelne Packungen: irgendein Gericht, Gemüse, ein Getränk und ein Dessert. Tatsächlich enthielten die Pakete vermutlich sogar mehr als vier oder fünf Packungen. An der Seite jeder Packung stand der Inhalt mit Anweisungen für die Zubereitung. Ein Dessert enthielt meinetwegen etwas Gebäck, also brauchte man es nur aufzuschneiden. Bei Orangensaft dagegen hieß es:
8 Unzen (0,24 l) kaltes Wasser in die Verpackung füllen und warten
, oder nur , wie auch immer. Man folgte einfach den Anweisungen. Leider gab es im LM
LMLunar Module kein warmes Wasser, daher schmeckte das Essen lausig. Gut, lausig
ist wohl das falsche Wort. Aber mit kaltem Wasser hielt sich der Genuss in Grenzen.
Jones: Jack sagte mir, dass es bei Apollo 17 eine Art Vorläufer der heutigen Fertiggerichte gab. Durch Bestrahlung haltbar gemachte Nahrungsmittel, die nicht rehydriert werden mussten.
Duke: Die hatten wir auch. Es gab gewürfelten Schinkenspeck, irgendeinen Käse, Konserven mit Mettwurst oder Thunfisch als Brotaufstrich, eine Dose Erdnussbutter und anderes. Dazu vakuumverpacktes Brot. Die Sachen konnten einfach zubereitet werden. Obwohl ich mich nicht erinnere, dass wir so etwas auf dem Mond gegessen haben. Das gab es nur im Kommandomodul.
NASA
NASANational Aeronautics and Space Administration-Foto S72-19887 zeigt Ernährungswissenschaftlerin Rita Rapp mit einer Auswahl an Nahrungsmitteln für Apollo 16. Auf dem Etikett der mittleren Packung in der vordersten Reihe steht: Tag-4 Mahlzeit-A.
Während wir sprachen, sah Charlie seine Unterlagen durch.
Duke: Gefunden. Das medizinische Tagebuch. Hier ist der Speiseplan. Ich wusste doch, dass ich es noch habe. Wir begannen mit Tag-5 Mahlzeit-B: Tomatencremesuppe, zwei Scheiben Roggenbrot, eine halbe Dose Thunfischaufstrich, ein Fruchtriegel aus Äpfeln, ein Schokoladenriegel, Orangen‑Grapefuit‑Saft und ein Nahrungsriegel. Der Nahrungsriegel steckte in einer kleinen Tasche im Anzug, auf der rechten Seite unter dem Helmverschlussring. Bei der Arbeit draußen zog man den Riegel (mit den Zähnen) ein paar Zentimeter heraus, um ein Stück abzubeißen. Die Masse hatte einen hohen Energiegehalt. Auf der anderen Seite hing an einem Klettband der Trinkbeutel mit Strohhalm.
Jones: Okay. Der Strohhalm befand sich links.
Duke: Wie Sie sehen, brauchten wir nur für die Tomatencremesuppe ein wenig Wasser. Mit kaltem Wasser schmeckte die Suppe jedoch nicht besonders gut. Aber der Thunfisch, das Roggenbrot, der Fruchtriegel … (liest seine handschriftlichen Eintragungen im Tagebuch) Vom Schokoladenriegel aß ich ein Drittel. Und man sieht noch etwas von den kleinen sexy Zeichnungen, die wir (nach dem Flug) rausgerissen haben.
Der Rest der Zeichnung lässt auf eine leicht bekleidete Kellnerin schließen.
Duke: Wir hatten also zwei Mahlzeiten pro Tag. (Pause) Ich glaube, für den Krabbencocktail und den Truthahn mit Soße war ebenfalls Wasser nötig. Diese Gerichte schmeckten mir.
Wir sprachen kurz über die Zeichnungen und andere inoffizielle Ergänzungen im medizinischen Tagebuch, dem Flugplan und sonstigen Unterlagen an Bord.
Duke: Im Flugplan steckte ein Bild, das meine Kinder gemalt hatten. Auch eine Karte von Dotty. Grüße meiner Kinder, ein Familienfoto. Solche Dinge.
England: Okay. …
Duke: Ich habe Mahlzeit-B für Tag-5 … (hört Tony)
England: … Wir möchten, dass ihr mit der ersten Mahlzeit für den Aufenthalt auf der Mondoberfläche anfangt. Meiner Meinung nach sollte eigentlich auch ein Glas Champagner dazugehören. (Pause)
Duke: Also, wie John bereits sagte. Wir haben stattdessen genug Orangensaft, dass der Skorbut uns nichts anhaben kann.
England: Verstanden. (lange Pause)
Duke: Okay, Tony. Wir beginnen mit Mahlzeit-B für Tag-5.
England: Sagtest du
D
wie Dora?
Duke: B
wie Berta.
England: Verstanden. (lange Pause)
Duke: Houston, John hat seinen Löffel schließlich gefunden.
England: Sehr gut! (lange Pause)
Jones: John hatte seinen Löffel verlegt?
Duke: Ja. Wir durchsuchten die Kabine von oben nach unten. Schließlich fand er den Löffel. (Lachen) Ich weiß aber nicht mehr, wo!
Young: Hallo, Tony. Bin wieder zurück. (Pause) Tony?
England: Kommen.
Als Nächstes beschreibt John das Landegebiet. Einen guten Eindruck vom Gelände vermitteln Abbildung 3.6.1-1 und die Karte DESCARTES ○ EVA-I, II; 1 von 2 im Ablaufplan für die Arbeit auf der Mondoberfläche bei Apollo 16 (Apollo 16 Final Lunar Surface Procedures) sowie Abbildung 6-4 im Vorläufigen wissenschaftlichen Bericht zu Apollo 16 (Apollo 16 Preliminary Science Report).
Young: Ich kann nicht sehen, bis wohin die Strahlenausläufer … Ich vermute einfach, dass die Blockhalde, in der wir stehen, von South Ray stammt. Die Halde erstreckt sich ungefähr 100 Meter weit in Richtung 10:00 Uhr, verschwindet hinter einer Anhöhe und ist erst wieder bei South Ray zu sehen. (Pause) Und wie ihr wisst, liegt der Krater ein gutes Stück entfernt (ca. 6 km). Im Übrigen ist South Ray ein verdammt interessanter Krater. Ich wünschte, wir könnten dort hinfahren.
Bei Station 4 entstanden mit dem Teleobjektiv die Aufnahmen AS16-112-18246, AS16-112-18247, AS16-112-18254 und AS16-112-18256. David Harland verwendete 18246, 18247 und 18256 für ein zusammengesetztes Bild von Krater South Ray. Auf 18254 ist Krater Baby Ray zu sehen.
Jones: War eine Station bei Krater South Ray im Gespräch?
Duke: Ja. Wir wollten hinfahren. Doch man hatte Bedenken, falls etwas kaputtgeht …
Jones: Dass die Maximalentfernung für den Rückmarsch überschritten …
Duke: Ganz recht.
Krater South Ray liegt rund 6 Kilometer südwestlich der Landestelle. Man ging davon aus, dass die Astronauten über längere Distanzen zu Fuß mit durchschnittlich 2,7 Kilometern pro Stunde vorankommen, also knapp brauchen, um die Strecke zu schaffen. Hätte man tatsächlich eine Station bei South Ray geplant, wäre der Krater das entfernteste und daher erste Ziel der Erkundungsfahrt gewesen. So war gewährleistet, dass maximale Reserven an Sauerstoff und Wasser zur Verfügung standen, falls dort nach Abschluss der geologischen Arbeit ein Defekt am Fahrzeug aufgetreten wäre. Veranschlagt man Fahrzeit zum Krater, gefolgt von geologischer Arbeit, hätten John und Charlie nach Rückmarsch noch reichlich Reserven in ihren Tanks gehabt.
Bei Apollo 17 war Station 2 neben Krater Nansen mit etwa 7,5 Kilometern Luftlinie sogar noch weiter von der Landestelle entfernt. Allerdings ist das Gelände nahe South Ray vermutlich schwieriger als alles, womit es Gene Cernan und Jack Schmitt zu tun bekamen. Wie von Charlie angedeutet, sind es wohl Ungewissheiten in Bezug auf Geländebeschaffenheit und Durchhaltevermögen der Astronauten gewesen, die zur Entscheidung gegen Krater South Ray führten.
David Harland und ich diskutierten, wie eine Fahrt zu Krater South Ray die EVA
EVAExtravehicular Activity‑Planung beeinflusst hätte. Meiner Meinung nach müsste die Streckenführung der Fahrt bei EVA-2
EVAExtravehicular Activity geändert werden, um einen Stopp bei South Ray zu ermöglichen, ohne den Aufbau des ALSEP
ALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package oder die Erkundung von Krater North Ray zu gefährden. Die Rückmarschrichtlinien diktierten, dass die am weitesten entfernte Station das erste Ziel ist. John und Charlie wären also direkt zu Krater South Ray gefahren und hätten erst auf dem Rückweg am Hang von Stone Mountain gehalten, um auch Proben der Descartes‑Formation zu bekommen. David argumentiert folgendermaßen: Weil man auf dem Weg zu South Ray den Wreck/Stubby‑Komplex umfahren muss, wäre es praktikabler, die Fahrt für die erste EVA
EVAExtravehicular Activity zu planen. Der Rückweg würde die Astronauten dann etwas weiter nach Westen führen, als die tatsächliche Strecke, und Stationen wären die Krater Plum und Buster, bevor das LM
LMLunar Module wieder erreicht ist. In Davids Entwurf soll der Aufbau des ALSEP
ALSEPApollo Lunar Surface Experiments Package während der zweiten EVA
EVAExtravehicular Activity stattfinden, und ebenso die Fahrt zu Stone Mountain, wenn auch mit wesentlich weniger Stationen auf dem Rückweg.
Das zeigt in etwa, was bei der Planung einer EVA
EVAExtravehicular Activity gegeneinander abzuwägen war, von Leuten, die Möglichkeiten und Grenzen weitaus realistischer einschätzen konnten als David und ich. Hinzu kommt, dass eine Fahrt zu South Ray aus wissenschaftlicher Sicht nicht notwendig gewesen ist, da einige Stationen im Bereich der Strahlenausläufer lagen, wo sehr wahrscheinlich Auswurfmaterial des Kraters zu finden sein würde. Dessen ungeachtet ist South Ray natürlich ein faszinierender Krater, weshalb man gut verstehen kann, dass John und Charlie dort hinfahren wollten.
Duke: Wir dachten, dass der Rückmarsch für uns zu schaffen ist, aber man war in der Beziehung sehr vorsichtig. John und ich trainierten in Houston im Laufsimulator, einer hydraulisch gefederten 1/6g‑Aufhängung am Ende des Zentrifugenarms. Darin liefen wir an der Wand entlang im Kreis auf einer nachgebildeten Mondoberfläche. Auch schneller, um unsere Ausdauer zu testen. So wollten wir herausfinden, bis zu welcher Entfernung ein Fußmarsch zurück möglich ist. Ich denke, wir beide … Wir liefen an unterschiedlichen Tagen, doch ich erinnere mich, dass wir durchhielten. Wenn man das Tempo einmal erreicht hat, strengt es kaum noch an. Allerdings auf flachem Untergrund. Es müssen an die 20 Kilometer gewesen sein.
Jones: Kann ich glauben.
Das Memo von P. E. Reynolds Untersuchungen für Apollo 17 zur Leistungsfähigkeit bei einem außerplanmäßigen Rückmarsch während der EVA (Bell Laboratories, ), enthält einem Abschnitt über die Ausdauertests, die John und Charlie im Zentrifugengebäude durchführten. Darin heißt es:
Ein spezieller Test lieferte Daten für lange Fußmärsche. Durchgeführt vor Apollo 15 von John Young und Charles Duke im voll ausgerüsteten Raumanzug an einer 1/6-Schwerkraft‑Aufhängung zeigte der Test, dass Astronauten über längere Zeit ein hohes Tempo halten können. Wobei die Fortbewegung eher einem Trab oder Lauf ähnelte als dem gewöhnlichen Gehen. Die Werte sind in Tabelle 3 dargestellt. Marschierzeit und Gesamtzeit unterscheiden sich aufgrund kurzer Pausen wegen Defekten und Reparaturen. Erholungspausen an sich hatte man nicht geplant. John Young erreichte durchschnittlich 6,5 km/h über einen Zeitraum von und , bei Charles Duke waren es 5,5 km/h über und . Obwohl die Tests nicht auf realistisch unebenem Gelände stattfanden (sondern auf einer ebenen Bahn), wurden grundlegende Resultate zur Leistungsfähigkeit im Raumanzug erbracht.
| Gesamtzeit | Marschierzeit | Durchschnittstempo | |
|---|---|---|---|
| John Young | 3 h 14 min 40 s | 2 h 43 min 20 s | 6,5 km/h |
| Charles Duke | 3 h 34 min 50 s | 3 h 18 min 20 s | 5,5 km/h |
Aus der Multiplikation von Marschierzeit und Durchschnittstempo ergibt sich, dass beide jeweils rund 18 Kilometer zurücklegten.
In den Fernsehaufzeichnungen der J‑Missionen ist gelegentlich zu sehen, wie Astronauten kurze Distanzen in schnellem Tempo zurücklegen. Ich nahm die Zeit und ermittelte einen Durchschnitt von etwa 5 Kilometern pro Stunde über nicht mehr als 100 Meter. Bei allen Läufen war der Untergrund vergleichsweise eben.
Duke: Wir schafften in den (im Laufsimulator) eine ordentliche Strecke. Doch es ging eben nicht auf und ab über lockeren Boden und dort lagen auch keine Steine. Also meinten die Verantwortlichen:
Schön und gut, Jungs. Trotzdem werdet ihr nicht zu South Ray fahren.
Jones: Nachdem Sie auf dem Mond einige Strecken gelaufen sind. Wir realistisch war Ihrer Meinung nach die Simulation mit der Zentrifuge, was die körperliche Anstrengung betrifft?
Duke: Im Vergleich zu ebenem Gelände war der Unterschied gering. Dies gilt nicht für den Hang von Stone Mountain. Dort musste man sehr vorsichtig sein. Bergauf oder bergab zu laufen, strengte an und man musste wirklich aufpassen.
Jones: Lernte man im Laufsimulator, den eigenen Schwerpunkt besser zu kontrollieren? Trugen Sie die ganze Zeit den Tornister auf …
Duke: Ja. Allerdings boten die Kabel der Aufhängung eine gewisse Stabilität, die auf dem Mond natürlich fehlt. Ich bin dort öfter hingefallen als … Man verlor schnell das Gleichgewicht, wenn man den Fuß nachzog, sich bückte, um etwas aufzuheben, oder sich streckte, um etwas zu greifen. Solche Bewegungen reichten mitunter schon für einen Impuls, sodass man sich drehte und normalerweise auf dem Boden landete. Zumindest bei mir. Deshalb fiel ich so oft hin. Aber es störte mich nicht besonders. Außer das eine Mal bei der letzten EVA
EVAExtravehicular Activity, als ich hochsprang und auf dem Rücken gelandet bin.
Jones: Ihre Kollegen bei Apollo 15 und davor sind seltener gefallen, aber die zwei bei Apollo 17 sogar noch öfter als Sie. Das bedeutet für mich, Ihr Vertrauen in den Anzug ist gewachsen, und Sie waren sich sicherer, auch selbst wieder aufstehen zu können. Was Ihnen wiederum ermöglichte, beherzter zur Sache zu gehen als Ihre Vorgänger.
Jones: Dem würde ich zustimmen. Wir sind weniger vorsichtig gewesen. Ich hatte großes Vertrauen in den Anzug und keine Angst vor dem Hinfallen. Die Erfahrungen der vier vorangegangenen Missionen kamen uns zugute, deshalb konnten wir einfach loslegen. Gut beobachtet.
Young: Die Felsbrocken am westlichen Rand (von Krater South Ray) sind groß und absolut weiß. Dazwischen – ihr wisst schon, wo es auf euren Karten wie eine Vertiefung aussieht – scheint eher braunes … gibt es eine Stelle mit grauem Material, das zu dieser Seite hin ausgeworfen wurde. Auf der Nordseite erstreckt sich ein weiterer Strahlenausläufer mit sehr hellen Felsbrocken.
Das Strahlensystem war schon einige Zeit vor dem Aufrichten (P-64
P-64Program 64 (Approach Phase), ) zu sehen. Bei etwa 22000 Fuß (6706 m Flughöhe, ) drückte ich die Nase ans Fenster und sah … South Ray war der eindeutige Hinweis darauf, wo wir uns befanden. Bei 22000 (Fuß ⬦ 6706 m) mit 60 Grad Neigung ist Stone Mountain und alles davor (östlich) nicht zu sehen gewesen. Aber dieser unverkennbare Krater beseitigte jeden Zweifel. Von da an fliegt man entsprechend dem Verteilungsmuster des Strahlensystems.
Um einen Landeplatz zu finden, orientierte ich mich an denselben Merkmalen wie in der L&A
L&ALanding and Ascent Facility. Das umgekehrte V, ausgehend von Stubby, zu Cove, Trap … besser gesagt: Stubby, Wreck, Trap, weiter über Cove, Eden Valley zu Spook und über die kleinen Krater bis zu Double Spot. Vermutlich sind wir bei einem der kleinen Krater gelandet, die nördlich von Spook zusammen diesen Haken bilden, der bei Double Spot endet. Ich glaube, wir stehen etwa 50 Meter davon entfernt auf 9:00 Uhr, aber …
England: Sehr gut. Ein paar Worte zur Albedo?
Young: Ich kann nicht … (hört Tony)
England: Ein paar Worte zur Albedo?
Young: Es gibt große Unterschiede in der Albedo. Bei den … North Ray ist weiß, South Ray ist weiß, und mit der Enfernung wird die Oberfläche nach und nach dunkler bis zu uns, wo alles mehr oder weniger grau aussieht. Man hat den Eindruck, dass die Gesteinsbrocken hier aus einer anderen Gegend stammen. Auf 10:00 Uhr, nein, 11:00 Uhr sehe ich etwa 100 Meter entfernt einen großen Brocken mit abgerundeten Kanten. Den würde ich gern aus der Nähe betrachten, denn es scheint ein einziges großes Stück von derselben Gesteinsart zu sein, welche auch immer das ist.
England: Schön. Ich wollte wissen …
Young: Ah, jetzt erkenne ich einen weißen Klast im untersten Teil des Brockens.
England: Ich wollte wissen, wie das Gebiet im Vergleich zu euren Karten aussieht. Die Streifen zum Beispiel. Ob sich das Strahlensystem genauso deutlich abzeichnet wie auf euren Karten bei hohem Sonnenstand. Oder ob es bei dem zurzeit niedrigen Sonnenstand ganz anders aussieht.
Young: Nein, eigentlich nicht. Ich kann hier bis runter zu Survey Ridge (BT,1/82,7) sehen und dort ist die Albedo viel stärker. Von unserer Landestelle bis Survey Ridge geht es generell … (korrigiert sich) allmählich bergab. Das Geländeniveau fällt vielleicht um 100 Meter, bevor es direkt bei Smoky Mountain (meint Stone Mountain) wieder bergauf geht. Die Höhenlinienkarte müsste zeigen, wo die tiefste Stelle ist.
England: Okay …
Young: Und es gibt auf Stone Mountain ein paar seltsam aussehende Krater mit hohem Albedo‑Kontrast. Einige sind … Könnte auch an den Schatten liegen. Darum lass uns lieber warten, bis wir dort sind. Ich zögere, das zu sagen, aber die Krater wirken fast wie große … (Pause) Doch, es müssen Einschlagkrater sein.
Jones: Ich weiß, dass einige Geologen hofften, Sie würden am Stone Mountain Hinweise auf Vulkanismus finden. Bezieht John sich hier auf diese Spekulationen?
Duke: Er will sich nur noch nicht festlegen.
Jones: Aber er zieht in Betracht, dass dort vielleicht …
Duke: Also, ich denke, in dem Moment geht es ihm weniger um Vulkanismus. Mir scheint, er sieht die Krater und schwankt, ob es primäre oder sekundäre Einschlagkrater sind.
Audiodatei (, MP3-Format, x1,0 MB) Beginnt bei .
England: Okay. Mich interessiert, ob nur an der Menge der Gesteinsbrocken zu erkennen ist, dass ihr auf einem Strahlenausläufer gelandet seid, oder auch an der Albedo.
Young: Ich denke schon. Aber man wird keine scharfe Grenze bestimmen können, denn die Ränder gehen ineinander über.
England: Großartig. Das ist besser, als ich dachte.
Young: Allerdings kann man den Grenzbereich höchstwahrscheinlich überqueren. (Pause)
Wie sich die Strahlenausläufer von der Umgebung abgrenzen, war von praktischer Bedeutung. Bei scharfen Grenzen könnten John und Charlie an einem einzigen Ort auf beiden Seiten Proben nehmen. Hier sagt John, dass keine scharfen Grenzen existieren. Er glaubt jedoch, dass es ihm und Charlie möglich ist, Stellen zu finden, die eindeutig innerhalb oder außerhalb eines Strahlenausläufers liegen.
Young: Dabei würden aber vor allem die weißen Felsbrocken (im Bereich des Ausläufers) als Unterscheidungsmerkmal dienen, denke ich. Auf den Anhöhen sehe ich drei verschiedene Strahlenausläufer, die eventuell von South Ray kommen. Wir müssen dort hinfahren und uns die Gegend ansehen, um sicher zu sein. Anscheinend verlaufen sie auf den Kammlinien, obwohl das täuschen mag, denn ich kann nicht in die Mulden hineinsehen.
Duke: Tony, noch eine Bemerkung von meiner Seite. Entfernungen sind hier oben wirklich schwer einzuschätzen. Ich sehe über Johns Schulter aus dem Fenster und es kommt mir vor, als sei South Ray nur einen Steinwurf weit entfernt. Was natürlich nicht stimmt.
Young:Durch das häufige Training in der L&A
L&ALanding and Ascent Facility wussten wir einigermaßen genau, wie groß die Entfernungen sind.
Auf 72-H-430 sind John und Charlie in der L&A
L&ALanding and Ascent Facility beim Training für eine Erkundungsfahrt zu sehen. Eine Fernsehkamera, die in dem Fall nicht an die Steuergriffe im LM
LMLunar Module‑Simulator, sondern an den Steuergriff des Fahrzeugsimulators gekoppelt war, bewegte sich unter dem darüber aufgehängten Gipsmodell des Landegebiets und übertrug die Aufnahmen an den Bildschirm vor den zwei Astronauten. Diese Übungsfahrten vermittelten John und Charlie einen Eindruck vom Gelände und von den Entfernungen zu wichtigen Landschaftsmerkmalen.
Young:Korrigieren würde ich mich nur in einem Punkt. Am Hang von Stone Mountain blickten wir zurück und sahen das LM
LMLunar Module hinter Double Spot (AS16-112-18272). Es schien, dass wir 70 oder 80 Meter weiter östlich standen, als ich ursprünglich sagte. Ist nur eine Schätzung. Von dort oben aus liegt Double Spot genau auf der Linie zwischen unserem Standort zu dem Zeitpunkt und dem LM
LMLunar Module in einer Senke hinter den zwei Kratern. Wir sind also ziemlich nah an der geplanten Stelle gelandet. Ich will noch einmal betonen, dass wir nur aus einem Grund dort landen wollten, nämlich weil die Gegend nicht so hügelig sein sollte. Auf der Karte für unsere Vorbereitung war die Umgebung von Double Spot der einzige flache Bereich, wenn man den Höhenlinien glaubte. Das hat sich als falsch herausgestellt.
Die Umgebung der geplanten Landestelle ist auf der Streckenführungskarte mit Höhenlinien für EVA-1 u. EVA-2 ○ 1:25000 (1 von 2) zu sehen.
Duke:Der flachste Bereich, den wir passierten, lag südöstlich von Krater North Ray in der Senke hinter (nördlich von) Palmetto. Es ist ein breites ebenes Tal, in dem es kaum Krater gibt und keine Felsbrocken.
Young:Nicht einen Felsbrocken. Auf der Höhenlinienkarte sieht es dort allerdings schlimm aus.
Duke:Als ich beim Aufrichten (P-64
P-64Program 64 (Approach Phase)) die Gegend um Dogleg erkannte, rechts neben unserer Erkundungsstrecke, wusste ich genau, wo wir waren. Nach der Landung sah ich aus Johns Fenster und hatte den Eindruck, dass ich nur meinen Arm ausstrecken muss, um South Ray oder Stone Mountain zu berühren. So nah schien alles zu sein. Obwohl ich wusste, dass beide 5 Kilometer weit weg sind, fand ich es schwierig, die Entfernung dorthin einzuschätzen. Generell fiel es mir am Boden schwer, die Entfernung zu größeren Geländemerkmalen zu schätzen.
Young:An einem klaren Tag wirken Berge, die 50 Kilometer entfernt sind, als könnte man sie in erreichen. So ist es auf dem Mond. Wir fuhren über eine Anhöhe nach der anderen und jedes Mal dachte ich, wir sind angekommen. Doch dann folgte die nächste und auch danach hatten wir Stone Mountain noch nicht erreicht.
Duke:Auf dem Weg dorthin gab es eine Menge Anhöhen. Das war nicht zu erkennen, als wir nach der Landung aus dem Fenster sahen.
Duke: Hinzufügen möchte ich eine Beobachtung aus dem Orbit. Denn in der Wartezeit (3 Orbits) konnten wir die Oberfläche ausgiebig betrachten. Überall, wo wir die Oberfläche sahen – im Grunde die gesamte Tagseite – erkannten wir an Kraterwänden und Bergen dieselben Linienstrukturen, die auf den Fotos von Apollo 15 an Hadley Delta und Mons Hadley zu sehen sind (z. B. AS15-90-12208). Es war sehr auffällig, wie … hauptsächlich an Kraterwänden aber auch an Berghängen. Und diese Strukturen wirkten wie Bruchmuster, die parallel zu … konzentrisch um die Krater laufen – in den Kratern. An Bergen dagegen verlaufen sie parallel zum Boden oder folgen der Neigung eines Abhangs, was auch immer es sein mag. Ende.
England: Okay. Eine interessante Beobachtung.
Young: Und ich sehe im Augenblick aus dem Fenster zu Stone Mountain, den ich auch schon fotografiert habe. Der Nordhang sieht aus, als hätte dort jemand gepflügt. Es gibt bis nach oben viele Stufen, wie gestaffelte Terrassen, und sie folgen quer zum Hang der Geländekontur.
John meint die Aufnahmen, die er bei aus dem Fenster gemacht hat. Insbesondere spricht er vermutlich von AS16-113-18296. Eine andere Aufnahme, AS16-112-18217, zeigt den Gipfel des Stone Mountain. Charlie machte das Foto mit dem 500‑mm‑Teleobjektiv bei am Nordrand von Krater Spook. Zu dem Zeitpunkt stand die Sonne 9 Grad höher über dem Horizont als zuvor bei Johns Aufnahme.
England: Gib es Unterschiede zwischen den einzelnen Terrassen?
Young: Nein, Tony. Von hier aus kann ich keine erkennen. Diese Terrassen könnten Strahlenausläufer (Auswurfmaterial) von Stubby sein oder etwas Ähnliches.
England: Okay. Ihr habt zwei verschiedene Gesteinsarten erwähnt.
Young: Ich sehe … (hört Tony) Ich sehe, dass Stubby … Der Krater hat unmittelbar am Fuß von Stone Mountain wesentlich steilere Wände, als ich dachte. (Pause) Ich glaube nicht, dass der Berg sich unter Stubby hochgeschoben hat.
England: Okay. Du meinst, Stubby ist ein Einschlag am Fuß des Berges?
Duke: (Nicht zu verstehen, weil Tony spricht.) Habt ihr noch ein … (hört Tony)
Sollte Stone Mountain älter sein als Krater Stubby, wäre die Kraterwand am Fuß des Berges wahrscheinlich relativ steil. Nur vom Berg in den Krater gerutschtes Material hätte die Neigung abflachen können. Sollte Stone Mountain vulkanischen Ursprungs und jünger sein als Stubby, wäre die Kraterwand im gesamten Umfang wahrscheinlich einigermaßen erodiert.
Young: Das ist meine Vermutung. Aber noch einmal, der Bereich ist so steil, dass die ganze Seite von Stone Mountain bis jetzt … Gut die Hälfte des Berges liegt im Schatten.
England: Okay. (Pause) Kommen, Charlie. Eine Frage. Ihr habt zwei Gesteinsarten erwähnt, schwarz‑weiße und komplett weiße. Sind euch noch andere aufgefallen?
Duke: Ja, Tony, direkt vor dem LM
LMLunar Module liegt rechts neben dem Landefuß ein Brocken, der aussieht wie eine Brekzie. Entweder das oder es ist verfestigter Regolith. Du erfährst es, wenn wir draußen sind.
England: Okay. (lange Pause)
Duke: Tony, ich gebe dir einen Vergleich dazu, wie die schwarz‑weißen Gesteinsbrocken aussehen. Sie sind eigentlich grau‑weiß und wirken wie granitisches Gestein mit sehr großen Kristallen. Auch wenn ich das bezweifle (dass es granitisches Gestein ist).
England: Großartig! Du machst uns richtig Appetit. (Pause)
Young: Da draußen liegen ein paar wirklich interessante Steine. Einige sind schneeweiß und es gibt eine ganze Serie davon. Das grelle Sonnenlicht macht es schwer, die echten Farben zu erkennen, selbst mit bloßem Auge. Man täuscht sich leicht. Ich könnte schwören, dass in einem der Steine etwas Pink zu sehen ist. (lachend) Aber warten wir lieber, bis wir draußen einen aufheben und von Nahem betrachten können, um sicher zu sein.
England: Verstanden. Ist wohl das Beste. (Pause)
Duke: Tony, wie bezeichnest du Tomatensuppe, die mit kaltem Wasser zubereitet wurde?
England: Furchtbar. (Pause)
Duke: John sagt:
Kalte Tomatensuppe.
(lange Pause)
England: Hey, Charlie. Du hast von der Anhöhe 50 bis 100 Meter vor euch auf 12:00 Uhr gesprochen. Könntest du bei Gelegenheit feststellen, ob sich diese Erhebung bis auf 10:00 Uhr oder 9:00 Uhr erstreckt?
Young: Ja, ist der Fall.
England: Okay, könntest du …
Young: Die Anhöhe erstreckt sich bis auf meine Seite.
Duke: Johns erster Eindruck war, dass wir in einem alten erodierten Krater gelandet sind (). Und so sieht es tatsächlich aus, Tony.
England: Okay. (Pause)
Duke: Mann, diese schwarz‑weißen Gesteinsbrocken sind wirklich interessant, Tony. Ich kann es kaum erwarten, einen aufzuheben.
England: Wir ebenfalls, Charlie. Das sage ich dir.
Duke: Der Farbe nach … (hört Tony) Der Farbe nach sieht das Gestein beinah aus wie Labradorit.
Young: Ach, Charlie! (lange Pause)
Jones (lachend): Möchten Sie zu Johns Seufzer etwas sagen?
Duke: Ich glaube, es war ihm zu viel Fachchinesisch.
William Muehlberger erhielt einen Entwurf des Journals von Apollo 16 und schrieb dazu in einem Brief: Meine Aufmerksamkeit erregten vor allem die zwei Abschnitte mit ersten Beobachtungen vom Fenster aus (hier und bei ), als Gesteinsarten beschrieben wurden, die nicht zur damals gängigen fotogeologischen Interpretation des Hochlands als Vulkangestein passten. Bei unseren Feldexkursionen zeigten wir der Besatzung Lavaströme und vulkanische Brekzien. Hauptsächlich in einem Gebiet mit Andesitvorkommen entlang des Lake Mead östlich von Las Vegas, das durch eine Seitenverschiebung geteilt ist (am /). Dieses Terrain entspricht ungefähr dem, was wir im Landegebiet erwarteten. Trotzdem ließ das (Charlies Beschreibung der schwarz‑weißen Gesteinsbrocken) bei mir noch keine Alarmglocken läuten. Möglicherweise habe ich in dem Moment nicht zugehört. Während der Landung wartete ich in einem Fernsehstudio, um zu kommentieren, wo die zwei gelandet sind. Erst danach traf ich mich mit meiner Truppe (von Geologen) im Nebenraum (SOR
SORScience Operations Room).
Ähnlich äußert sich William Muehlberger in einer E-Mail. Wiedergegeben im Kommentar nach .
Duke: Tony, in dem Licht sieht es für mich wirklich nicht ganz schwarz aus, sondern bläulich.
England: Wir wissen, was du meinst. (Pause)
Young: Wir bringen euch von jedem ein kleines Stück mit. Übrigens bin ich sehr froh, dass wir die Harke mitgenommen haben. Die können wir hier garantiert gebrauchen.
England: Sehr gut.
Die Harke ähnelt einer Muschelharke, wobei der Abstand zwischen den Zinken etwa 1 Zentimeter beträgt. Das Werkzeug wurde von Lee Silver, Geologe am Caltech, entwickelt und von den Astronauten der J‑Missionen für Bereichsbodenproben verwendet.
Jones: Gab es Zweifel, ob Sie die Harke gebrauchen können?
Duke: Ja. Wir sind nicht sicher gewesen, dass der Regolith die Gesteinsgrößen enthält, die in der Harke hängen bleiben. Man zieht die Harke durch den Boden und im Korb ist gar nichts. Das passierte auch mehrmals. Wir wussten nicht, ob das Werkzeug von Nutzen ist, haben es aber trotzdem mitgenommen. Mir persönlich kam nie der Gedanke, die Harke nicht mitzunehmen. Aber andere waren skeptisch und fragten sich, ob der Boden überhaupt Steine enthält, die groß genug sind. Vielleicht ist alles nur Staub, der einfach durchfällt.
Young: Wir können die Bereichsprobe gleich vor dem LM
LMLunar Module nehmen und brauchen die Harke dafür (einen gefüllten Probenbeutel) nur einmal durch den Boden zu ziehen.
England: Okay. Und steckt bitte sobald wie möglich die Schläuche wieder in die Wandanschlüsse. Anscheinend ist der Widerstand im System (ARS
ARSAtmosphere Revitalization Section) zu gering, denn der Wasserabscheider dreht sich wie verrückt.
Jones: Wenn die Schläuche nicht in den Anschlüssen steckten …
Duke: Dann fehlte der Widerstand. Ja. Steckten die Schläuche in der Wand, herrschten Druckverhältnisse, als wären sie am Anzug angeschlossen.
Jones: Aha.
Duke: Doch so konnte der Luftstrom ungehindert in die Öffnungen fließen und offenbar drehte sich der Wasserabscheider dadurch (zu schnell) …
Jones: Es musste eine bestimmte Druckdifferenz geben, und die entstand, wenn die Schläuche in den Wandanschlüssen steckten.
Duke: Ja.
England: Okay. Falls ihr euch von den Fenstern losreißen könnt. Wir möchten, dass ihr den Zeitplan einhaltet und in mit der Vorbereitung auf die Ruhepause beginnt. (SUR 3-6)
Young: Wie können wir in beginnen, uns auf die Ruhepause vorzubereiten, wenn wir noch nicht mal mit dem Essen angefangen haben, Tony? Meine Güte.
England: (lachend) Okay. (Pause) Hey, aus dem Nebenraum (SOR
SORScience Operations Room) kommt ein Bravo für eure Beschreibungen. (Pause)
Duke: Ich fühle mich wie ein Kind am Weihnachtsabend.
Charlie möchte unbedingt aussteigen und sich die Steine ansehen. (Anmerkung des Übersetzers: In den USA findet die Bescherung üblicherweise am Morgen des statt.)
Astronauten: (nicht zu verstehen)
Young: Mensch, es ist wirklich toll, wie die geringe Schwerkraft alles erleichtert. Einfach überirdisch. (Tony lacht) (Pause)
Duke: Okay. Die Schläuche stecken wieder in den Anschlüssen (an der Wand). Der Wasserabscheider müsste langsamer werden.
England: Okay. (Pause) Ich glaube, ich weiß, wie du dich fühlst, Charlie. Ich bin selbst ziemlich aufgeregt.
Unterbrechung des Funkverkehrs.
Audiodatei (, MP3-Format, 0,6 MB) Beginnt bei .
Duke: Tony, wie geht es Casper (CM
CMCommand Module) eigentlich?
England: Bitte wiederholen, Charlie.
Duke: Wie geht es Casper?
England: Mit Casper ist alles in Ordnung. Ich habe nur ab und zu rübergesehen, weil ich mit euch beschäftigt war. Aber es gibt keine Probleme.
Young: Ausgezeichnet. (Pause) Damit ihr euch vorstellen könnt, wie schön die 1/6g‑Umgebung ist. Ich konnte hier zum ersten Mal eine Suppe löffeln, ohne zu wissen, ob ich sie essen oder darin baden werde.
Unterbrechung des Funkverkehrs.
Duke: Tony, John und ich wollen den Jungs im Nebenraum und allen Beteiligten, die so intensiv nach einer Lösung für das Problem bei Casper gesucht haben, aufrichtig danken. Dadurch bekamen wir letztendlich die Chance, hier zu landen.
England: Verstanden, Charlie. Ich denke, jeder hier dankt den Leuten für die geleistete Arbeit. (lange Pause)
Young: Ja, ich bin sehr froh, dass man zu dieser Einschätzung kam. Denn eine Zeit lang sah es ziemlich düster aus, nicht?
England: Kann man wohl sagen. (lange Pause)
Young: Irgendeiner sollte sich mal an den großen SimSup
SimSupSimulation Supervisor im Himmel wenden und darum bitten, dass ab jetzt alles ein wenig normaler abläuft.
England: Unbedingt. (Pause) Die Situation glich doch etwas zu sehr einer Sim
SIM oder SimSimulation.
Unterbrechung des Funkverkehrs.
Jones: Könnten Sie mir den letzten Dialog etwas erläutern?
Duke: Sicher. Es gab eine Abteilung für die Ausarbeitung und Überwachung der Simulationen. Dabei wurden die Kenntnisse zu Raumschiffen, Verfahren oder Abläufen getestet, während wir alle Missionsphasen durchspielten. Beteiligt waren die Überwachungszentrale (MOCR
MOCRMission Operations Control Room), wir im Simulator am Kap sowie das gesamte Netzwerk rund um die Welt. Natürlich gab es in dieser Abteilung auch Leute, die sich alle möglichen Fehlfunktionen ausdachten und den Computer damit fütterten. Wenn wir im Simulator die Landung überhaupt geschafft haben, dann in der Regel nur mit Hängen und Würgen. Wir taumelten mehr oder weniger auf die Mondoberfläche, weil unterwegs fast alles kaputtgegangen ist. John meint hier, man soll den Großen Leiter der Simulation bitten, dass zu all unseren Problemen – Heliumdruckregler (im RCS
RCSReaction Control System), S‑Band‑Antenne, das Triebwerk bei Casper und so weiter – keine mehr hinzukommen, dass die Simulation von da an normal weitergeht.
Jones: Achtete John auf seine Wortwahl, um nicht ins Visier von Madalyn Murray O’Hair zu geraten?
Duke: Nein. John ist nicht religiös. Das hat er ironisch gemeint.
Madalyn Murray O’Hair, eine prominente Aktivistin, gründete die Organisation American Atheists (Amerikanische Atheisten). Unter anderem verklagte O’Hair die NASA
NASANational Aeronautics and Space Administration, weil die Astronauten von Apollo 8 an Heiligabend aus der Genesis vorgelesen hatten. Die Klage wurde vom Obersten Gerichtshof der USA jedoch abgewiesen.
England: Orion, Houston.
Young: Kommen, Tony.
England: Könnt ihr bestätigen, dass die O2‑Bedarfsdruckregler auf Kabine stehen?
Young: Ist bestätigt. (ECS – Sauerstoffversorgung)
England: Okay. Verstanden. Es hat ausgesehen, als ob der Druck leicht sinkt. (lange Pause)
England: Und während ihr beim Essen seid, kann ich euch vielleicht schon mal vorwarnen. Gegen , ein paar Minuten nach Beginn der Ruhepause, hat sich im RCS
RCSReaction Control System genug Druck aufgebaut, um die RCS
RCSReaction Control System‑Warnleuchte erneut aufleuchten zu lassen. Ihr könnt den Alarm einfach zurücksetzen, kein Grund zur Sorge. Dann bekommt ihr höchstwahrscheinlich kurz vor dem Wecken morgen früh einen zweiten Alarm mit Warnleuchte, sobald der Heliumtankdruck wieder 1700 ( psia ⬦ 117 bar) erreicht. Wenn ihr den Schalter für die Temperatur- und Druckanzeige auf Helium stellt, geht auch die Leuchte aus. (Pause) Leider ist es nicht möglich, das zu vermeiden.
Young: Okay, Tony. Danke.
England: Okay.
Eine kurze Erläuterung des Problems im RCS
RCSReaction Control System ist am Anfang des Journals zu lesen.
Young: Okay. Mit anderen Worten: Wir werden in der Nacht zweimal geweckt, oder?
England: Ja, sieht so aus. Obwohl der erste Alarm bereits losgehen müsste, bevor ihr euch schlafen legt. Aber den zweiten hört ihr wahrscheinlich erst kurz vor dem Wecken.
Young: Okay. Wie lange sollen wir schlafen ab dem Beginn der Ruhepause?
England: .
Young: Verstehe, eine Ruhepause. (Pause)
Duke: Okay, Tony. Wir füllen jetzt die Trinkbeutel (SUR 3-5). Das heißt, wir nehmen die Beutel von heute Morgen und füllen sie mit klarem Wasser. Ende. (lange Pause) Hast du verstanden, Tony?
England: Ja, hab verstanden. Wir überlegen gerade … Wir fragen uns, warum ihr nicht das Gatorade trinken wollt. (Pause) Okay. Oder den Orangensaft.
Gatorade ist ein isotonisches Erfrischungsgetränk, das zu der Zeit als Unterstützung für Leistungssportler zur Regulierung des Flüssigkeitshaushalts beworben wurde. Der Orangensaft erfüllte eine ähnliche Aufgabe. Das zusätzlich darin enthaltene Kalium sollte bei John und Charlie Herzrhythmusstörungen verhindern, wie sie bei Dave Scott und Jim Irwin (Apollo 15) auftraten. Mit seinem Nachsatz wollte Tony vermutlich dem Eindruck entgegenwirken, dass die Erwähnung der Marke einen kommerziellen Grund hatte. Ich bedanke mich bei Brian Lawrence für den Hinweis auf diese interessante Stelle in der Niederschrift.
Duke: Also, die Beutel von … (hört Tony) Okay. Die Beutel von heute Morgen aus dem Kommandomodul (CM
CMCommand Module) haben wir ausgetrunken. Dadurch bleiben uns noch je zwei für die EVAs
EVAExtravehicular Activity. Wir können auch zwei andere füllen und dann bei der dritten EVA
EVAExtravehicular Activity nur Wasser trinken. Eure Entscheidung. (Pause)
England: Ist uns egal. Trinkt, was ihr wollt. Wasser ist in Ordnung.
Duke: Ja, dann heben wir den angereicherten Saft lieber bis zuletzt auf.
England: Okay. (Pause) Wir verstehen.
Lange Unterbrechung des Funkverkehrs.
Jones: Ich nehme an, mit dem angereicherten Orangensaft wollte man einen Kaliummangel wie bei Apollo 15 vermeiden.
Duke: Ja. Weil man vermutete, dass dieser Kaliummangel die Ursache für Jims Herzprobleme sein könnte. Aus dem Grund wurden unsere Nahrungsmittel mit Kalium, Vitaminen und so weiter angereichert. Ebenso der Orangensaft und der Nahrungsriegel, die wir draußen im Anzug dabeihatten, um uns zusätzlich Energie zu liefern. Unsere Vorgänger (die Astronauten von Apollo 15) hatten das nicht, obwohl sie lange draußen waren, und das führte zu einer Dehydrierung. Also bekamen wir mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Getränke, die den Verlust ausgleichen konnten. Dazu der Nahrungsriegel mit reichlich Proteinen und Kohlehydraten. Es ging darum, unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten. Deswegen kam uns der Gedanke, dass wir den angereicherten Saft für die letzte EVA
EVAExtravehicular Activity aufheben sollten, da wir am Anfang gewiss besser in Form sind als am Ende.
Audiodatei (, MP3-Format, 1,2 MB) Beginnt bei .
Duke: Welche GET
GETGround Elapsed Time haben wir jetzt?
England: 1︱0︱7︱31.
Duke: Okay. Was … Wen wollt ihr heute Nacht an der Biomed‑Überwachung (BIS
BISBiomedical Instrumentation System)?
England: Okay, Charlie. Du bist dran.
Duke: (nicht begeistert) Ja, das hab ich befürchtet.
Das Kommunikationssystem des LM
LMLunar Module konnte nur die biomedizinischen Daten eines einzigen Astronauten per Telemetrie übertragen.
Jones: Kam es zu Juckreiz durch die Sensoren?
Duke: Nun, wir nahmen sie nicht ab. Die Sensoren klebten permanent auf der Haut. In dieser Situation bedeutete Biomed‑Überwachung (BIS
BISBiomedical Instrumentation System), dass man am Kommunikationssystem angeschlossen bleiben musste, was einigermaßen unbequem war. Mit dem Kabel am Körper konnte man sich schlecht umdrehen und ständig verwickelte man sich darin.
Duke: Okay. Ihr überwacht mich seit der Landung, also ändert sich nichts.
England: Okay. (Pause) Okay, weil du gerade dabei bist, eure COMM
COMMCommunications‑Konfiguration für die Nacht lautet: S‑Band ▷ Leistungsverstärker – Sekundär, wie im Augenblick, Telemetrie auf Niedrig, Sprechfunk auf Ersatzschaltung Sprechfunk zur Bodenstation, Distanz auf Aus. Und wie ich schon sagte, wir wollen deine Biomed‑Daten (BIS
BISBiomedical Instrumentation System). (Pause)
Duke: Okay, bitte alles noch einmal durchgeben.
England: Okay. S‑Band ▷ Leistungsverstärker – Sekundär, wie im Augenblick, Telemetrie – Niedrig, Sprechfunk auf Ersatzschaltung Sprechfunk zur Bodenstation, Distanz auf Aus, und wir wollen deine Biomed‑Daten (BIS
BISBiomedical Instrumentation System). (Störgeräusche)
Duke: Okay, Tony. Wir haben Ersatzschaltung Sprechfunk zur Bodenstation, BIOMED – Rechts, Telemetrie – Niedrig (Paneel 12). Wie sind wir zu hören? (Pause)
England: Okay, für einen Moment nur schlecht, Charlie. Versuch es noch mal.
Die Störgeräusche werden leiser, verschwinden aber nicht. Auf jeden Fall ist Charlie besser zu verstehen. Im LM
LMLunar Module waren die Störungen nicht zu hören, denn bei den großen Sendeanlagen auf der Erde gab es keine Änderungen.
Duke: Okay, Ersatzschaltung Sprechfunk zur Bodenstation. 1, 2, 3, 4, 5, 4, 3, 2, 1. Ende.
England: Okay, viel besser.
Lange Unterbrechung des Funkverkehrs.
England: Charlie, Houston.
Duke: Kommen.
England: Okay. Falls es gerade passt, ich habe einige Änderungen für den Abschnitt Start im Notfall in der Checkliste Oberfläche. Ruf mich einfach, wenn du sie notieren willst.
Duke: Warte.
Unterbrechung des Funkverkehrs.
Duke: Okay, Tony, ich kann mitschreiben. Sag mir noch die Seite.
England: Okay. (SUR) 11-1 in der Checkliste Oberfläche. (Pause)
Duke: Okay. Fang an.
England: Okay. Unten links bei PGNS
PGNSPrimary Guidance and Navigation System aktivieren lautet die letzte Zeile: PRO
PROProceed (gedrückt halten bis Ruhemodus‑Leuchte – Aus). Diese Zeile streichen. (Pause) Dann darunter eintragen: CB
CBCircuit Breaker … vielmehr: Unterbrecherpaneel 11 ▷ LGC
LGCLunar Module Guidance Computer/DSKY
DSKYDisplay and Keyboard – Geschlossen. (lange Pause)
Duke: Okay, weiter.
England: Okay. In der zweiten Spalte gibt es eine Korrektur. Dort steht: Unterbrecher 16 … Nein, Unterbrecherpaneel 16 Inverter 1 – Geschlossen. Es muss aber heißen: Unterbrecher‑Paneel 11 Inverter 1 – Geschlossen. (Pause) Dann unter dieser Zeile …
Duke: Okay, hab ich.
England: Okay. Dann unter dieser Zeile eintragen: Unterbrecherpaneel 16 Inverter 2 – Geschlossen und Schalter Inverter auf 2.
Duke: Okay. Inverter auf 2 und Inverter – 1 durchstreichen (SUR 11-1). (Pause)
England: Richtig. Okay, auf (SUR) 11-2. (Pause) Unter … Links oben steht neben einem Sternchen
CB(11&16)
. Unter dieser Zeile eintragen: Aktualisierung der Ephemeriden für T mit Daten vom MSFN
CB(11 & 16)Circuit Breaker (Panel 11 & 16)
MSFNManned Space Flight Network, falls verfügbar. (Pause)
Duke: Okay, ladet ihr die Daten in den Computer oder müssen wir alles eingeben? (SUR 11-2)
England: Warte. (lange Pause)
Duke: Okay, Tony. John meint, es ist VERB 25 🠢 NOUN 07 🠢 ENTR
ENTREnter (DSKY-Taste) 🠢 17︱0︱6 🠢 ENTR
ENTREnter (DSKY-Taste) und dann die Ephemeriden eingeben. Ich glaube, er hat recht. (lange Pause)
Jones: Hatten Sie diese Dinge im Kopf oder mussten Sie dafür in Ihren Unterlagen nachsehen?
Duke: Die Zahlen musste man uns mitteilen. Aber so etwas wie VERB 25 🠢 NOUN 07 🠢 ENTR
ENTREnter (DSKY-Taste) 🠢 1706 🠢 ENTR
ENTREnter (DSKY-Taste) wussten wir.
Jones: Solche Computereingaben hatte John sich gemerkt?
Duke: Ja. Wir trainierten das.
England: Richtig, Charlie. Das stimmt. (Pause)
Duke: Okay, kommen. Hast du noch mehr?
England: Ja. Einige Unterbrecher sollen offen sein, wobei das unter Umständen auch schon vermerkt ist. Also, auf (SUR) 11-3. (Pause) Paneel 11, erste Reihe, S‑Band‑Antenne soll offen sein. (Pause)
Duke: Weiter. (SUR 11-3)
England: Okay. Auf (SUR) 11-4, vierte Reihe, Paneel 16, S‑Band‑Antenne soll offen sein. (Pause)
Allerdings markiert Charlie auf SUR 11-4 den Unterbrecher S-Band-Antenne in der dritten Reihe von oben.
Duke: Okay, weiter.
England: Okay, jetzt (SUR) 11-6. Dort stehen die Einstellungen für die Richtantenne. Die kannst du streichen. Und das war alles.
Duke: Okay (SUR 11-6). Alle Änderungen sind eingetragen. Nur eine verstehe ich nicht ganz. Auf (SUR) 11-1 unter PGNS
PGNSPrimary Guidance and Navigation System aktivieren haben wir das PRO
PROProceed durchgestrichen und LGC
LGCLunar Module Guidance Computer/DSKY
DSKYDisplay and Keyboard – Geschlossen eingetragen. Aber direkt davor steht bereits LGC
LGCLunar Module Guidance Computer/DSKY
DSKYDisplay and Keyboard – Geschlossen. (Pause)
England: Okay. Du hast recht. Unser Fehler. Diesen Eintrag einfach löschen.
Duke: Okay, kein Problem. Wollte mich nur vergewissern, dass mir nichts entgangen ist. …
England: Natürlich.
Duke: … Okay, Tony, wenn das alles war, legen wir uns jetzt ins Bett.
England: In Ordnung. (lange Pause)
England: Okay, wir sind hier mit allem durch und lassen euch in Ruhe. Auch wenn ihr zu früh dran seid (SUR 3-6). Ich denke, dass die Pausenverlängerung von der Behörde genehmigt wird.
Duke: Okay, ich bleibe angeschlossen an das COMM
COMMCommunications‑System, John wird seine Verbindung trennen, und wir machen jetzt das Licht aus.
Zwar steht es nicht ausdrücklich in der Checkliste, aber John und Charlie werden höchstwahrscheinlich auch mithilfe der Blenden die Fenster verdunkeln.
England: Okay. Dann bis morgen. Wir freuen uns schon darauf.
Duke: Hey, und wir erst. (Pause) Stellt euch vor. Obwohl alle Lampen ausgeschaltet sind, wird es nicht dunkel hier drin. Draußen ist es taghell. (Pause)
Vermutlich werden die Fenster nicht komplett abgedeckt und durch einige Spalten kann Licht eindringen.
Young:Ich weiß, andere haben das bereits erwähnt, doch in der Kabine ist es wesentlich heller gewesen als im LM-Simulator. Mir ist nicht klar, wieso es darin immer so dunkel sein muss. Jedenfalls konnten wir alle Instrumente gut ablesen. … Ich finde auch, dass die Klemmleuchten viel heller waren als im Simulator.
Duke: Okay, Tony, eins noch zum Schluss. Unsere ECS
ECSEnvironmental Control System‑Konfiguration ist (Sauerstoffverteiler –) Drücken-Kabine, Kabinenluftrückführung auf AUTO
AUTOAutomatic und alles andere wie vorgeschrieben. Ende. Ah, falsch, ich meine Kabinenluftrückführung – Offen. (SUR 3-6, ECS – Atemgasaufbereitung)
England: Okay, sieht gut aus hier. (lange Pause)
Duke: Okay, Tony, wir möchten allen danken, die beim Umgruppieren (der Checklisteneinträge) so hervorragende Arbeit geleistet haben, weshalb ab jetzt alles wieder fast normal abläuft. Wir hören dann morgen früh von dir. Vermutlich bekommen wir einen Weckruf über die Sprechanlage. Ende.
England: Okay, wird gemacht. Ich melde mich und pfeif euch ein Liedchen.
Duke: Sehr schön. Gute Nacht.
England: Gute Nacht.
Lange Unterbrechung des Funkverkehrs.
Jones: Meinte Tony mit
Ich pfeif euch ein Liedchen
die Musik für den Weckruf?
Duke: Ja.
Jones: Und ausgewählt haben grundsätzlich die Leute in der Überwachungszentrale (MOCR
MOCRMission Operations Control Room).
Duke: Ja.
Duke: Houston, Orion.
England: Kommen, Charlie.
Duke: Tja, anscheinend finde ich kein Ende. Ein letzter Gedanke, Tony. Weil kurz vor der Landung so wenig Staub aufgewirbelt wurde und in den Kraterwänden eingebettete Gesteinsbrocken zu sehen sind, vermute ich, dass die Regolithschicht hier nicht besonders dick ist. Daher müssen wir überlegen, wie Stellen mit ausreichender Schichtdicke für die Bohrungen zu finden sein könnten. Ende.
Während der ersten EVA
EVAExtravehicular Activity soll Charlie drei etwa 2,5 Meter tiefe Löcher bohren. Zwei für die Sonden des Wärmeflussexperiments (HFE
HFEHeat Flow Experiment) und eine tiefe Kernprobe. Charlie möchte, dass man auch in Houston darüber nachdenkt, woran man geeignete Stellen am besten erkennt. Denn er will nicht auf Grundgestein stoßen, bevor die erforderliche Tiefe erreicht ist.
England: Guter Hinweis. Du meinst, wenn man sich die Filme der anderen Landungen ansieht, habt ihr im Vergleich weniger Staub aufgewirbelt?
Duke: Nun, wirklich beurteilen kann das nur John. Aber was meine Seite betrifft, als ich kurz aus dem Fenster gesehen habe, war es wesentlich … Wir konnten, beziehungsweise ich konnte bis zum Aufsetzen durch den aufgewirbelten Staub hindurch den Boden erkennen.
England: Okay. Nach dem, was während des Sinkfluges zu hören war, habt ihr ab etwa 90 Fuß (27 m) Staub aufgewirbelt.
Duke: Etwas darunter (). Ab ungefähr 80, vielleicht 75 (Fuß ⬦ 24 bzw. 23 m). (Pause)
England: Ich habe das Gefühl, wir beide könnten uns mit dem Thema die ganze Nacht um die Ohren schlagen.
Duke: Na ja, das war jetzt endgültig alles von mir. Gute Nacht.
England: (lachend) Gute Nacht.
Lange Unterbrechung des Funkverkehrs.
Young: Tony, ihr habt euch nur um verrechnet. Die Warnleuchte RCS A
RCS AReaction Control System – System A REG
REGRegulator ist eben aufgeleuchtet. (Paneel 1)
Im Gegensatz zu anderen wollte Tony England den Astronauten als CapCom
CapComSpacecraft (Capsule) Communicator zur Verfügung zu stehen, solange sie sich auf der Mondoberfläche befinden und wach sind. Deshalb kommt er zurück, bevor Charlie sich bei wieder meldet. CapCom
CapComSpacecraft (Capsule) Communicator während der Ruhepause ist Astronaut Don Peterson.
In den folgenden Aufnahmen sind Gespräche zwischen Ken Mattingly und Houston oder Meldungen des PAO
PAOPublic Affairs Officer zu hören. Die Dateien im RealAudio‑Format wurden von Siegfried Kessler erstellt.
Audiodatei (, RA-Format, 1,2 MB)
Audiodatei (, RA-Format, 1 MB)
Audiodatei (, RA-Format, 0,5 MB).
Audiodatei (, MP3-Format, 0,5 MB) Meldung des Berichterstatters (PAO
PAOPublic Affairs Officer) im MOCR
MOCRMission Operations Control Room bei .
Audiodatei (, MP3-Format, 0,2 MB) Meldung des Berichterstatters (PAO
PAOPublic Affairs Officer) im MOCR
MOCRMission Operations Control Room bei nach LOS
LOSLoss of Signal in Rev-18
REV oder RevRevolution.
Audiodatei (, RA-Format, 0,7 MB)
Audiodatei (, RA-Format, 0,6 MB)
Audiodatei (, RA-Format, 0,1 MB)
Audiodatei (, RA-Format, 0,2 MB)
Audiodatei (, RA-Format, 0,1 MB)
Audiodatei (, RA-Format, 0,1 MB)
Audiodatei (, MP3-Format, 0,1 MB) Meldung des Berichterstatters (PAO
PAOPublic Affairs Officer) im MOCR
MOCRMission Operations Control Room bei . Die Aufzeichnung eines kurzen Gesprächs zwischen Charlie Duke und Don Peterson wird nun gesendet.
Audiodatei (, MP3-Format, 0,2 MB) Beginnt bei .
Duke: (schläfrig) Hallo Houston, Orion. Ende.
Peterson: Orion, Houston. Kommen.
Duke: Hey, ihr wisst ja von unserem RCS
RCSReaction Control System‑Problem, das gestern aufgetaucht ist. Bei der Treibstoffreserve für System A werden jetzt nur 10 bis 15 Prozent angezeigt. Liegt das im Normbereich für euch?
Peterson: Bestätigt.
Duke: Okay. Wenn keiner beunruhigt ist, schlafen wir weiter, bis ihr euch in ein paar Stunden meldet. Ende.
Peterson: Bitte wiederholen, Charlie. Du bist sehr schwer zu verstehen.
Duke: Okay. Wenn keiner von euch beunruhigt ist, schlafen wir weiter. (Pause)
Peterson: In Ordnung, Charlie. Wir möchten, dass du einen Unterbrecher ziehst. Moment. (Pause) Rendezvousradar ▷ Betrieb. Paneel 11, Reihe 3, unter Heizung. (Paneel 11)
Duke: Okay. Erledigt. Gute Nacht.
Peterson: Verstanden. Danke.
Jones: In Ihrem Buch Moonwalker () erzählen Sie von der kurzen Schlafunterbrechung.
Duke: Soweit ich mich erinnere, wurde ich einigermaßen rabiat aus dem Schlaf gerissen. Der Hauptalarm klingelte mir direkt ins Ohr, weil ich am COMM
COMMCommunications‑System hing und die Kappe trug. Ich weiß nicht mehr, wie der Alarm klang, aber es war richtig laut. Ich bin fast durch die Decke gegangen.
Jones: Doch Sie haben den Grund schnell herausgefunden.
Duke: Ja. Ich sah gleich, was den Hauptalarm auslöste. Eine Warnleuchte für geringe Treibstoffreserve. Außerdem hatte man uns noch vor Beginn der Ruhepause gesagt, dass es passiert ().
Jones: Sie schliefen in der unteren Hängematte, quer zur Front mit dem Kopf …
Duke: Auf der rechten Seite. Meiner Seite.
Jones: Wie gut schlief man in der Hängematte?
Duke: Also, es war … Gut! Wenn man es schaffte, mental zur Ruhe zu kommen. Die geringe Schwerkraft war sehr angenehm. Sicher, in einer Hängematte muss man auf dem Rücken schlafen. Eine leichte Seitenlage ist vielleicht auch möglich, aber mehr nicht. Ich brauchte eine Weile, um einzuschlafen. Wie man an den Einträgen im medizinischen Tagebuch sieht: John, Tag 5, (Medikamente) keine, , gut … Bei mir: Seconal, bis , gut. Seconal, , gut. In der letzten Nacht brauchte ich nichts, doch in den ersten zwei Nächten musste ich eine Schlaftablette nehmen.
Jones: Aber das war die Aufregung.
Duke: Ja. Nur um das Gehirn runterzufahren.
In den folgenden Aufnahmen sind Meldung des Berichterstatters (PAO
PAOPublic Affairs Officer) im MOCR
MOCRMission Operations Control Room zu hören. Die Audiodateien wurden von Siegfried Kessler erstellt.
Audiodatei (, MP3-Format, 0,1 MB) Meldung bei .
Audiodatei (, MP3-Format, 0,1 MB) Meldung bei .
Audiodatei (, RA-Format, 0,1 MB) Meldung bei .
Audiodatei (, RA-Format, 0,1 MB) Meldung bei .
Audiodatei (, RA-Format, 0,3 MB) Meldung bei .
Audiodatei (, RA-Format, 0,3 MB) Meldung bei .
Audiodatei (, RA-Format, 0,1 MB) Meldung bei .
Audiodatei (, RA-Format, 0,1 MB) Meldung bei .